Aktuelle Wetterlage begünstigt Gräserpollenbelastung

22. Mai 2015

10 Fakten zur Gräserpollen-Allergie

IMG_1210  (Foto: J. Kleine-Tebbe, Glottertal, 24.05.2015)

  1. Gräser blühen in Mitteleuropa von (Mitte) Mai bis August mit Maximum im Juni/Juli, 2014 je nach Region allerdings deutlich früher; eine verlässliche Pollenflug-Vorhersage funktioniert bestenfalls für wenige Tage.
  2. Gräserpollen transportieren eine Reihe von Proteinen (Eiweißstoffe); einige wurden als wichtige Allergene identifiziert (z.B. in Pollen vom Lieschgras Phleum pratense; detaillierte Information unter www.allergome.org)
  3. Bei erhöhter Allergiebereitschaft (Atopie) bildet das Immunsystem gegen diese Fremdproteine Antikörper der Klasse E (Immunglobulin E, kurz IgE), das anschließend fest auf Mastzellen im Gewebe und in der Schleimhaut haftet
  4. Bei erneutem Allergenkontakt provozieren eine Reihe von Botenstoffen (z.B. Histamin) aus Mastzellen und anderen Immunzellen eine allergische Entzündung und Symptome wie Augenjucken, Niesen, Naselaufen, verstopfte Nase, ggfs. Husten, erschwerte Atmung und Auswurf (Asthmasymptome)
  5. Wegen erheblicher Allergenmengen im Frühsommer sind die Gräserpollen neben den Baumpollen die häufigste Quelle für allergische Beschwerden (im Volksmund “Heuschnupfen”) in der warmen Jahreszeit
    …und nicht etwa die „weißen Flusen“, eigentlich Flugsamen von Bäumen, die zur gleichen Zeit bei klarem Wetter unterwegs sind
  6. Bei Beginn der Pollensaison leiden die Betroffenen häufig mehr als durch später auftretende, höhere Allergenbelastungen  – wahrscheinlich das Ergebnis „natürlicher Toleranzentwicklung“, ein Gewöhnungseffekt des Immunsystems
  7. Die verantwortlichen Hauptallergene (z.B. Majorallergene der Gruppe 1 u. Gruppe 5) zeigen bei allen Süßgräsern eine ähnliche Struktur, sodass das IgE-Repertoire des Gräserpollen-Allergikers sie kaum unterscheiden kann: Es besteht daher ausgeprägte Kreuzallergie zwischen sämtlichen Gräserpollen-Allergenen. Fazit: Wer auf ein Gras eine Allergiebereitschaft (=Sensibilisierung) entwickelt, wird auf sämtliche Gräser reagieren
  8. Die Diagnose beruht auf einer typischen Vorgeschichte (Anamnese) und positiven Ergebnissen in sogenannten Sensibilisierungstests (Prickhauttest oder spezifischer IgE-Test gegen Gräserpollenallergene)
  9. Wirksame Pharmaka bei Pollenflug sind wie bei anderen allergischen Atemwegsbeschwerden Kortison-haltige Asthma- bzw. Nasensprays und nicht-sedierende Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen und Nasensprays. VORSICHT: Kortison-Depotspritzen ins Gesäß…diese Injektionen legen für einige Wochen die Kortisonachse lahm, können Dellen im Fettgewebe hinterlassen und werden nicht empfohlen.
  10. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) ist die einzige Behandlung, die nachhaltig die Beschwerden (und den Medikamentenverbrauch) in der Gräserpollen-Saison lindern und wahrscheinlich Asthma und Neu-Sensibilisierungen vorbeugen kann. Unterschiedliche Verfahren haben sich zu diesem Zweck bewährt:
    a)    „Klassische“ Immuntherapie mit regelmäßigen Injektionen während des gesamten Jahres für 3 Jahre
    b)    Kurzzeit-Behandlung mit einigen Injektionen vor der Pollensaison (3 Zyklen empfehlenswert, d. h. 3 Jahre)
    c)    Sublinguale Immuntherapie mit täglicher Anwendung von Tabletten- oder Tropfenpräparaten unter der Zunge (=sublingual), entweder ganzjährig oder 4 Monate und während der Pollensaison für 3 Jahre

Berlin, 26.05.2015

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Dann klicken Sie hier und laden dieses Kapitel aus dem “Global Atlas of Allergy” der EAACI herunter:
PDFsymbolGRASS ALLERGENS Chapter 3g in Global Atlas of Allergy EAACI 2014.pdf

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Korrekte Darstellung: Prävention von Allergien

19. Mai 2015

Kommentar zum aid-Newsletter vom 06.05.2015 zur S3-Leitlinie Allergieprävention

5KommentatorenPrävention5-2015

Am 06.05.15 wurde über den aid*-Newsletter die Pressemitteilung „Vier bis sechs Monate ausschließlich Stillen – Stillempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben bleiben bestehen“ in Netz gestellt, mit dem Ziel Verunsicherungen entgegenzuwirken. Vermutlich hat aber genau diese Pressemitteilung zu Missverständnissen geführt. Deshalb werden die Punkte, die ungenau oder falsch dargestellt wurden, an dieser Stelle aufgegriffen und richtig gestellt.

1)    In der Pressemitteilung heißt es: „In der überarbeiteten S3-Leitlinie Allergieprävention, die seit Juli 2014 vorliegt, wurden die Aussagen zur Stilldauer und zur Beikosteinführung geändert.“ Dies ist bezüglich der empfohlenen Stilldauer nicht korrekt. Bereits beim Update 2009 wurde eine Empfehlung für ein ausschließliches Stillzeit über 4 Monate verabschiedet. Neu ist, dass der Begriff „ausschließliches Stillen“ durch „Vollstillen“ ersetzt wurde und damit sowohl ausschließliches Stillen als auch die zusätzliche Gabe von Wasser, Vitaminen etc. mit einschließt. Die Empfehlung zum Stillen gründet sich auf die zum Thema Allergieprävention systematisch recherchierte und bewerte Literatur.

2)     Weiterhin wird in der Pressemitteilung behauptet, dass die Empfehlung, nach 4 Monaten Beikost einzuführen, mit dem steigenden Nährstoffbedarf begründet wird. Dies ist ebenfalls nicht korrekt. Die Bedarfssteigerung, die im übrigen in den DACH**-Referenzwerten so nachzulesen ist, ist der Empfehlung für die Beikosteinführung lediglich als Präambel vorangestellt. Den Autoren der Pressemitteilung war dies vor Veröffentlichung auch bekannt.
Die Autoren der Leitlinie empfehlen,  Beikost nach dem vollendeten 4. Monat einzuführen. Von einem Weiterstillen nach Einführung der Beikost wird durch die Empfehlungen der Leitlinie nicht abgeraten.

3)    Der Zeitraum 5. bis 7. Monat für die Beikosteinführung mag aus Sicht einer individuellen Entwicklung von Säuglingen seine Berechtigung haben. Im Hinblick auf Allergiepävention sollte allerdings bedacht werden, dass das Risiko einer Allergiemanifestation durch längeres Vollstillen nicht – wie früher vermutet – gesenkt werden kann, sondern eher steigt. Stillen hat viele Vorteile. Das wird auch in der Allergiepräventions-Leitlinie ausdrücklich betont. Allerdings ist aus Gründen der Allergieprävention ein Vollstillen nur für die ersten 4 Monate anzuraten, da ein verlängertes Vollstillen nicht mit einem allergiepräventiven Effekt verbunden ist. Dennoch können selbstverständlich andere Gründe zu einem verlängerten Vollstillen führen.

Die Steuerungsgruppe S3-Leitlinie Allergieprävention, AWMF***-Register Nr. 061/016:

Prof. Dr. Torsten Schäfer, Immenstadt
Prof. Dr. Matthias V. Kopp, Lübeck
Dr. Imke Reese, München
Prof. Dr. Thomas Werfel, Hannover
Dr. Cathleen Muche-Borowski, Hamburg

*    aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz (http://www.aid.de/newsletter/)
**  DACH: D = Deutschland; A = Österreich; CH = Schweiz (https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/)
***Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (http://www.awmf.org)

Kommentar als PDF-Datei zum Herunterladen:

Stellungnahme Allergiepräventionsleitllinie 2014 Steuerungsgruppe 5-2015


Vermeidung einer Erdnussallergie durch frühen Konsum?

31. März 2015

Erdnuss&M.Worm3-2015“Kann eine frühe Einführung von Erdnuss das Risiko für die Entwicklung einer Erdnussallergie beeinflussen?”

Prof. Dr. Margitta Worm, Expertin für Nahrungsmittelallergien und Vorstandsmitglied der DGAKI, hat die Frage aufgegriffen und berichtet von einer neuen wissenschaftlichen Untersuchung (“LEAP Study”), die nach ihrer Publikation im N Engl J Med viel Aufsehen erregt hat.

Lesen Sie mehr und lernen Sie die DGAKI Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie kennen! 


DGAKI-Frühjahrstagung: Forschung aus 1. Hand

11. März 2015

“Das war der Mainzer Allergie-Workshop 2015″
Erfolgreiche wissenschaftliche Frühjahrstagung der DGAKI

 Programm 2015 (PDF-Datei zum Herunterladen) einfach hier klicken

 

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Prof. Dr. Joachim Saloga (re.) und Prof. Dr. Stephan Grabbe (li.) (Universitäts-Hautklinik Mainz)
Freundliche Gastgeber der jährlichen allergologischen DGAKI-Frühjahrstagung

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27. Mainzer Allergie-Workshop
vom 12. bis 13. März 2015

Ziel erreicht: Fast vollbesetzter Hörsaal und interessierte Teilnehmer bis zur letzten Bank
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