Wir gratulieren: DGAKI-Wissenschaftspreise für besondere Forschung

30. Oktober 2018

Beim diesjährigen 13. Deutschen Allergiekongress in Dresden haben junge Forscher erneut Wissenschafts-Preise erhalten (Foto unten). Von den DGAKI Junior Members wurden diesmal
Samira Saleh, Rostock 2. von li., [Bestimmung des antigenspezifischen T-Zellprofils (direkt und ex-vivo) während der Einleitung einer Wespengift Immuntherapie durch Anreicherung antigenspezifischer T-Zellen],
Dr. Stefan Mühlenbein, Marburg 3. von li. [IgE-vermittelte Ko-Faktor-verstärkte Anaphylaxie auf Gerstenmalz] und
Dr. Valérie Trendelenburg, Berlin 3. von re. [Schwellenwert, Organbeteiligung und Schweregrad unter wiederholter Nahrungsmittelprovokation sind häufig nicht reproduzierbar] für ihre Arbeiten ausgezeichnet:

Foto: Preisträger unter den Junior Members (s.o.), re. flankiert von den Sprecherinnen der Junior Members, Michèle Myriam Rauber und Dr. Julia Elisabeth Pickert bzw. dem DGAKI-Präsidenten Prof. Dr. Thomas Werfel, li.

Weitere Wissenschaftspreise gingen an (im Foto unten mit Prof. Thomas Werfel von li. nach re.):
Dr. Matthias Reiger, Augsburg und
Jana Mehlich, München (jeweils Nachwuchsförderpreis, Siemens Healthcare Diagnostics GmbH, Eschborn)
PD Dr. Patrick M. Brunner, MSc, Wien (Förderpreis „Neue Immunologische Therapien atopischer/allergischer Erkrankungen“, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH),
Dr. Jose Oteros, München (Förderpreis „Spezifische Immuntherapie“, Allergopharma GmbH & Co. KG, Reinbek)
PD Dr. Daniel Piotr Potaczek, Marburg (Förderpreis „Neue Immunologische Therapien atopischer/allergischer Erkrankungen“, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)


Allergologie: Droht ein massiver Qualitätsverlust bei der Patientenversorgung?

16. Oktober 2018

Vor einer drastisch sinkenden Qualität bei der Versorgung von Allergiepatienten warnen maßgebliche Allergieexperten. Hintergrund ist ein Beschluss zur Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO) für den Zusatztitel „Allergologie“. Dieser wurde im Mai 2018 beim 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt gefasst. Demnach soll die bisher für die Zusatzbezeichnung „Allergologie“ notwendige 18-monatige praktische Ausbildung unter Anleitung und Aufsicht komplett wegfallen. Allergologen befürchten deshalb in Deutschland zukünftig erhebliche Qualitätsverluste bei der Versorgung von Allergiepatienten.

Die ärztliche Weiterbildung zum Allergologen soll eine optimale Ausbildung für die Diagnose und Therapie von Allergiepatienten sicherstellen. Sie beinhaltet theoretisches Wissen als auch Praxiserfahrung unter Anleitung. Zukünftig soll es jedoch für HNO-, Haut-, Kinder- und Lungenärzte möglich sein, den Zusatztitel „Allergologe“ durch eine rein „berufsbegleitende Weiterbildung“ zu erlangen, d.h. ohne Praxiseinsatz bei erfahrenen ÄrztInnen. „Damit gibt es keine festgelegten Weiterbildungszeiten mehr. Es genügt, wenn der Ausbilder dem auszubildenden Allergologen eine Bescheinigung ausstellt, die die Erfüllung der inhaltlichen Auflagen bestätigt“ betont Prof. Dr. Thomas Werfel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI): „Konkret heißt das, die Ärzte können die Zusatzqualifikation quasi nebenbei im laufenden Betrieb parallel zu ihrer Tätigkeit in Klinik oder Praxis erwerben.“

„Wie man darauf kommt, dass 18 Monate Praxiserfahrung unter Anleitung plötzlich verzichtbar seien, kann niemand nachvollziehen. Schließlich gilt es auch schwer, z.T. lebensgefährlich Erkrankte oder kompliziert zu behandelnde, chronisch allergiekranke Menschen zu betreuen“, kritisiert Prof. Werfel. „Allergologie ist aufgrund der Bandbreite der Symptome und verwandten Diagnosen oft Detektivarbeit. Praxiserfahrung ist daher unerlässlich, um Symptome richtig deuten zu können und die richtige Behandlung einzuleiten“. Sollte der Beschluss des Ärztetages umgesetzt werden, können Patienten die Qualifikation von Ärzten mit dem Zusatztitel „Allergologie“ gar nicht einordnen. „Für sie wird es dann nicht möglich sein zu erkennen, ob ein Arzt mit dem Zusatztitel Allergologe wirklich erfahren im Umgang mit schwer Betroffenen und nach dem bisherigen oder nach dem neuen System ausgebildet wurde“ so Prof. Werfel.

Im Bereich Allergologie nimmt Deutschland bereits jetzt eine Sonderstellung ein. Während in 22 europäischen Ländern eine dreijährige Ausbildung zum Allergologen vorgesehen ist, gilt für Deutschland eine qualifizierte Zusatzausbildung von derzeit 18 Monaten als ausreichend. Einen Facharzt für Allergologie, zuletzt in Frankreich eingeführt und in den meisten europäischen Ländern Standard, gibt es in Deutschland nicht.

Angesichts des drohenden Qualitätsverlustes bei der Versorgung der Allergiepatienten sind Gegenmaßnahmen zur MWBO geplant. So wird die DGAKI zusammen mit den anderen Allergiegesellschaften und Patientenverbänden alle Kräfte bündeln, damit der Beschluss des Ärztetages in dieser Form nicht umgesetzt wird. „Der Zusatztitel Allergologie muss mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung gekoppelt – alles andere wäre Etikettenschwindel“, so Prof. Werfel.

Pressemitteilung der DGAKI, Berlin-Hannover Oktober 2018
Mehr zum Thema über die DGAKI-Geschäftsstelle, info@dgaki.de


Das war der 13. Deutsche Allergie-Kongress (DAK) in Dresden

8. Oktober 2018

Am 29.09.2018 endete der diesjährige Deutsche Allergie-Kongress der drei allergologischen Gesellschaften: GPA (Schirmherr 2018 mit Kongress-Präsidenten Prof. Dr. Christian Vogelberg ind Dr. Lars Lange), AeDA und DGAKI hatten ein spannendes und visionäres Programm entworfen: „Für eine Welt ohne Allergien„. Drei Tage intensive Diskussion und kollegialer Austausch zwischen den Teilnehmern – Allergologen, Fachärzte, Wissenschaftler und Ernährungsfachkräfte an einem Tisch.

Collage: DGAKI-Präsidenten (oben li.) Prof. Thomas Werfel (Hannover) und Prof. Eckard Hamelmann (Bielefeld)  vor der DGAKI-Plenumssitzung (oben re.): „Allergenspezifische Immuntherapie: Was verlangt die Zukunft?“.
Besonderes Ereignis: Vorstellung der in Kürze erhältlichen, von DGAKI, AeDA und GPA konzipierten Faktensammlung 2018: „Weißbuch Allergie in Deutschland“ (unten re.).
Interdisziplinäre Spezial-Workshops (z.B. gemeinsam organisiert von der DGAKI und dem Immunologenverband DGfI) mit wisschenschaftlichen Leckerbissen (untern li.).

Der nächste Deutsche Allergiekongress findet vom 26.-28.09.2019 in Hannover unter der Schirmherrschaft der DGAKI statt. Auch zukünftig arbeiten die 3 Allergiegesellschaften eng zuammen: Ein großer Dank an die Organisation im Hintergrund (z.B. in den Geschäftsstellen mit Fr. Wiebke Filsinger/DGAKI, Fr. Ursula Raab u. Fr. Carin Fresle/AeDA u. Fr. Ute Lohschelder-Dreuw/GPA, siehe Foto unten), die Aktivitäten der DGAKI Junior Members (Foto unten) und die Logistik durch die Kongress-Agentur wikonect. Blockieren Sie schon jetzt Ihren Kalender für die wichtigste wissenschaftliche und Fortbildungstagung zu allen Aspekten allergischer Erkrankungen vom 26.-28.09.2019 in Hannover!

Berlin, 08.10.18 (Fotos J. Kleine-Tebbe)


NEU: Kritische DGAKI-Position zum unbegründeten Glutenverzicht

17. August 2018


Die „Nicht-Zöliakie-Gluten-/Weizen-Sensitivität (NCGS: non celiac gluten sensitivity)“ ist nicht nur bei Laien, sondern auch zunehmend in Fachkreisen eine populäre Diagnose, obwohl ihre Existenz und die verantwortlichen Auslöser bis heute kontrovers diskutiert werden. Die aktuelle DGAKI-Stellungnahme (siehe unten: PDF-Dateien zum freien Download) enthält wichtige Überlegungen aus allergologischer und ernährungsphysiologischer Sicht:

  1. Aufgrund häufiger Selbstdiagnosen, unklarer Häufigkeit und unbestätigter Entstehung (Ätiologie) der NCGS sind geprüfte Diagnosekriterien und/oder verlässliche Laborwerte (Biomarker) notwendig.
  2. Infolge hoher Nocebo- und häufiger Placebo-Effekte konnte Gluten bislang nicht sicher als Auslöser einer NCGS identifiziert werden. Folglich sind doppelblinde-placebokontrollierte Provokationen bei Verdacht auf NCGS nur in modifizierter Form (erhöhtes Verhältnis von Placebo zu Verum) geeignet.
  3. Zahlreiche Störgrößen (Confounder) erschweren die Bewertung subjektiver Symptome unter glutenarmer/-freier Kost. Unabhängig vom Glutenverzicht sind z. B. durch vermehrten Gemüseverzehr physiologische Verdauungseffekte zu erwarten, die die Symptome mindern können.
  4. Eine streng glutenfreie Kost ist bei einer gesicherten Zöliakie wissenschaftlich begründet und unerlässlich! Bei einem medizinisch unbegründeten Glutenverzicht überwiegen jedoch potentielle Nachteile und Risiken.
  5. Aktuell kann wegen fehlender überzeugender Diagnosekriterien bei Verdacht einer NCGS ausschließlich eine sorgfältige Differential-Diagnostik empfohlen werden. Hierzu gehören eine sorgfältige Anamnese, einschließlich eines Ernährungs- und Symptomtagebuchs, eine allergologische Diagnostik und ein sicherer Ausschluss einer Zöliakie.

Die Autoren (Allergologen, Gastroenterologen und Ernährungswissenschaftler sowie Vertreter einer Patientenorganisation) befürworten ein derartiges strukturiertes Vorgehen, da ohne eine angemessene, medizinisch gesicherte Diagnose eine längere Glutenkarenz nicht zu empfehlen ist.

Zum Herunterladen der aktuellen DGAKI-Position (1. deutsch, 2. englisch) klicken Sie auf die PDF-Symbole oder die zugehörige Textzeile:

1. (Reese I et al Nicht-Zoeliakie-Gluten-Weizen-Sensitivitaet (NCGS) DGAKI-Positionspapier Allergo Journal 8-2018.pdf) Deutsche Version

2. (Reese I et al Non-Celiac-Gluten-Sensitivity (NCGS) German Position Paper Allergo J Int 8-2018.pdf) English Version