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Jetzt VORMERKEN: 14. DAK 2019 in Hannover

Donnerstag, 9. Mai 2019


Curly Horses für Pferdeallergiker? Weniger allergen sind sie nicht!

Donnerstag, 9. Mai 2019

DGAKI, Berlin, 09.05.2019: Curly Horses produzieren nicht weniger Allergene als andere Pferderassen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, die dem Geheimnis der für Pferdeallergiker als „hypoallergen“ geltenden „Curlies“ auf den Grund gehen wollte.

Für die Studie wurden Haarproben von 32 unterschiedlichen Pferderassen und insgesamt 224 Haarproben untersucht. „Bei den Curly Horses fanden wir im Vergleich zu anderen untersuchten Pferderassen sogar deutlich höhere Allergenkonzentrationen als bei den meisten anderen Pferderassen“ berichtet Prof. Monika Raulf, Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). „Das Ergebnis unserer Studie ist umso erstaunlicher, als viele Reiter mit einer Pferdeallergie auf die wolligen Curlies schwören, weil sie beim Kontakt mit ihnen weniger oder keine Allergiesymptome haben“ erklärt Prof. Raulf, „ein Effekt, der in der Vergangenheit auch in einigen Studien nachgewiesen werden konnte“.

Deutlich weniger Allergene produzierten die Pferderassen Tinker, Isländer und Shetland Ponies. Auch weibliche Tiere und kastrierte Hengste waren deutlich weniger „allergen“ als männliche, unkastrierte Tiere. Überraschend für die Forscher: Unabhängig von allen anderen Kriterien, fand man in Bezug auf die produzierte Allergenmenge der Pferde deutliche individuelle Unterschiede. „Offensichtlich gibt es Pferde mit hoher und mit niedriger Allergenproduktion“ folgert Prof. Raulf, „für pferdeallergische Reiter gilt es daher das Pferd zu finden, dessen Allergenproduktion für ihn tolerabel ist. Damit können wir auch betroffenen Tierärzten und tiermedizinischen Fachangestellten keinen Hinweis auf eine reduzierte Allergenexposition beim Umgang mit „Curly Horses“ geben“.

Kontakt:
Prof. Dr. Monika Raulf, Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) Allergologie/Immunologie, raulf@ipa-dguv.de
Prof. Dr. med. Kleine-Tebbe, Pressesprecher DGAKI, kleine-tebbe@allergie-experten.de
DGAKI-Geschäftsstelle, info@dgaki.de


Das war der 31. Mainzer Allergie-Workshop

Sonntag, 31. März 2019

Preisträger bei der DGAKI-Frühjahrstagung 2019

Fünf Gewinner von Abstract-Preisen (von li. nach re.: Dr. Helge Meyer, Oldenburg; Robert Ose, Mainz; Prof. Dr. Matthias Kramer stellvertr. für Federico Storni, Bern; Sylvia Wagenknecht, Hannover; Dr. Susanne Mommert, Hannover mit Dr. Ilka Radüge stellvertr. für den Preisstifter ALK-Abelló Arzneimittel GmbH, Hamburg, 2. von re.) beim 31. Mainzer Allergie-Workshop, flankiert von Tagungsekretär Prof. Dr. Joachim Saloga (li. außen) und DGAKI-Präsident Prof. Dr. Thomas Werfel (re. außen).

Die Tagung am 29. u. 30. März 2019 mit aktuellen allergologisch-immunologischen Forschungsergebnissen war erneut gut besucht. Konnten Sie nicht dabei sein? Hier können Sie noch das Programm herunterladen:

31. Mainzer-Allergie-Workshop-Prog_110119_Print.pdf

Merken Sie sich März 2020 für die 32. DGAKI-Frühjahrstagung vor; besonders junge Forscher, Doktoranden, Ärzte und Wissenschaftler haben hier Gelegenheit frische Ergebnisse vorzustellen und mit „alten Hasen“ zu diskutieren. Die Termine für nächstes Jahr werden rechtzeitig bekanntgegeben! Hier geht es direkt zur FOTOGRAFISCHEN NACHLESE.

Der Webmaster, 01.04.2019


Klassische Allergenbelastung im April: BIRKENPOLLEN

Sonntag, 31. März 2019


Birke reif zur Blüte, Mainz, Ende März 2019, Foto: J. Kleine-Tebbe

10 Fakten zur Baumpollen-Allergie

  1. Hasel- u. Erlenpollen waren 2019 bereits im Februar unterwegs (die schönsten Pollenkurven im Netz bei Dr. Wachter: http://www.pollenflug-nord.de) und haben für die Erlenpollen in bestimmten Regionen Rekordhöhen erzielt.
  2. Birkenpollen – meist im April am Start – werden derzeit richtig reif (zunächst im Westen bei milden Temperaturen); die nächsten warmen Tage im April bedeuten daher zunehmende Belastungen in ganz Zentraleuropa!
  3. Ihr wichtigstes Hauptallergen – Majorallergen Bet v 1 (von Betula verrucosa) – ist seit >30 Jahren bekannt (dank dänischer Wissenschaftler: Henrik Ipsen und Henning Løwenstein)
  4. Die Bet v 1-Familie beherbergt viele strukturähnliche Proteine (Allergene):
  5. Darin liegt die Ursache sogenannter Kreuzreaktionen
    a) gegen Hasel-, Erlen-, Hainbuchen-, Buchen- und Eichenpollen mit ähnlichen Major-Allergenen (AUSNAHME: Esche als Mitglied der Ölbaumgewächse wie dem Olivenbaum)
    b) gegen pflanzliche Nahrungsmittel (=häufigste Form der Nahrungsmittelallergie im Jugendlichen- und Erwachsenenalter) mit Bet v 1-homologen Allergenen, z. B. in Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Pfirsichen, Nektarinen, Kiwi, Feigen, Haselnüssen, Walnüssen, Mandeln, Karotten, Sellerie, Soja u.a.
    TIPP für Betroffene: Nur das meiden, was nicht vertragen wird und zwar nur in roher Form!
  6. Bet v 1-homologe Allergene sind a) thermo- und b) säurelabil:
    a) daher machen nur die rohen Nahrungsmittel Probleme;
    b) häufig bleiben die Reaktionen auf die Mundhöhle und den Rachen beschränkt.
  7. Manchmal reagieren Birkenpollen-Allergiker auch heftig: z.B. auf Haselnüsse, Karotten, Sellerie oder Soja (nur auf rohes, ungegartes Protein!)
  8. Inzwischen gilt die Bet v 1-assoziierte Soja-Allergie (bei Birkenpollen-Allergikern) als häufigste Form einer Soja-Allergie in Nord- und Mitteleuropa.
  9. Wirksame Pharmaka bei Pollenflug sind wie bei anderen allergischen Atemwegsbeschwerden Kortison-haltige Asthma- bzw. Nasensprays und nicht-sedierende Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen und Nasensprays. VORSICHT: Kortison-Depotspritzen ins Gesäß…diese Injektionen legen für einige Wochen die Kortisonachse lahm, können Dellen im Fettgewebe hinterlassen und werden nicht empfohlen.
  10. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) ist die einzige Behandlung, die nachhaltig die Beschwerden (und den Medikamentenverbrauch) in der Baumpollen-Saison lindern und außerdem Asthma und Neu-Sensibilisierungen vorbeugen kann.

Berlin, 01.04.2019

Wollen Sie mehr wissen? Benötigen Sie Kontakt zu Experten zu diesem Thema?
Wenden Sie sich einfach an die Pressestelle der DGAKI (Der Webmaster).


Neue Therapien in alten Gemäuern – EAACI-Meisterklasse zu Biologika

Sonntag, 17. März 2019

Die EAACI Master Class on Biologicals findet in San Lorenzo de El Escorial, Spain, vom 3 – 4 Mai 2019 statt.

Die Meister-Klasse dient einem besseren Verständnis, wann und wie Biologika bei atopischen u./o. Autoimmunkrankheiten eingesetzt werden.  Das Wissen um Grundlagen und individuelle Wirkmechanismen ist Dreh- und Angelpunkt zum erfolgreichen Einsatz. Die Master Class der europäischen Allergologen-Vereinigung EAACI richtet sich an alle Kliniker, Wissenschaftler und Laborexperten mit Interesse an und Bezug zu atopischen u./o. Autoimmunkrankheiten. Schauen Sie sich das Programm der „Master Class on Biologicals“ an und registrieren Sie sich hier! Der Webmaster, 17.03.19


Erlenpollen mit Rekordhoch – Drastische Allergenbelastungen für Baumpollenallergiker

Sonntag, 10. März 2019

Pollenflugdaten verschiedener Standorte laut Dr. Wachters Pollenflug-Report (http://www.pollenflug-nord.de/): Die schönsten Pollenkurven im Netz!

Foto (J. Kleine-Tebbe): Schwarzerle nach der Blüte – alles schwarz – Blütenstände nach der Abgabe der Pollen und ihrer Allergene.

Es hat sich herumgesprochen: 2019 war ein Rekordjahr für Erlenpollen! Durch die Allergenverwandtschaft hatten die Birkenpollen-Allergiker in Deutschland nichts zu lachen. Massive Allergiesymptome durch die Allergene der Erle brachten viele Betroffene zur Verzweifelung – besonders wenn die üblichen Medikamente versagten. Lesen Sie mehr!

Wir wird es weitergehen? Wird die bevorstehende Birkenpollensaison ebenfalls Rekorde brechen. Wissenschaftler und Ärzte sind keine Hellseher. Fragen Sie das Wetter Ende März und im April. Davon hängt maßgeblich die Belastung ab. Spätestens bei erneutem Augenjucken wissen die Betroffenen Bescheid: Es ist soweit!

10 Fakten zur Allergie durch Erlenpollen:

  1. Erlenpollen fliegen während milder Winter bereits im Februar, bei kaltem Winter eher im März; 2019 ging es wegen steigender Temperaturen offenbar ab Mitte Februar richtig los – zuerst der Haselpollenflug und dann verfrüht eine massive Erlenpollenbelastung.
  2. Das Major-Allergen Aln g 1 der Schwarzerle ist in diversen Varianten in den Pollen sämtlicher Erlenarten vorhanden.
  3. Aln g 1 gehört zur Familie der pflanzlichen Stressproteine („pathogenesis-related protein family 10“, kurz PR-10-Proteine) oder Bet v 1-Homologe;  gemeinsames Merkmal ist eine ähnliche Struktur und Ähnlichkeit zum Major-Allergen Bet v 1 der Birkenpollen
  4. Vermutlich stellt Bet v 1 in unseren Breiten die primäre Sensibilisierungsquelle für Baumpollen-Allergiker dar
  5. Durch Kreuzreaktionen (IgE-Bindung ähnlicher Proteine, z.B. aus der Gruppe der Bet v 1-Homologen) entwickeln viele Birkenpollen-Allergiker während der Blüte von Hasel, Erle, Buche, Hainbuche und Eiche allergische Symptome (Augenjucken, Niesanfälle, laufende u./o. verstopfte Nase)
  6. Bet v 1-bedingte IgE-vermittelte Kreuzreaktionen sind in Nord- und Mitteleuropa die häufigste Ursache von Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter!
  7. Nach Genuss roher, ungegarter Hasel-, Walnüsse u. ggfs. Mandeln, Äpfel, Birnen,  Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche, Aprikosen, Kiwi, Feigen, Karotten, Sellerie und Soja lösen darin enthaltene Spuren der Bet v 1-homologen Proteine häufig lokale Beschwerden in Mundhöhle und Rachenraum, manchmal auch schwere, bedrohliche allergische Reaktionen aus
  8. Die genannten pflanzlichen Lebensmittel werden im gegarten Zustand meistens gut vertragen (sofern sie ausreichend erhitzt wurden!)
  9. Durch Anpflanzung und Verbreitung der sog. Purpurerle (Alnus spaethii) mit besonders früh einsetzender Blüte können bereits Ende Dezember örtliche Erlenpollenbelastungen vorkommen – sorgfältige Beobachtungen und Recherchen des Schweizer Landarztes Dr. med. Markus Gassner lassen kein Zweifel daran: die Purpurerle ist offenbar für viele Baumpollenallergiker Auslöser unerwünschter Allergiebeschwerden bereits zur Weihnachtszeit.
  10. Die betroffenen Erlenallergiker unterscheiden sich durch die ausgeprägte Kreuzreaktionen allergietypischer IgE-Antikörper nicht von anderen Baumpollenallergikern: Ob Birke, Hasel, Erle, Buche, Eiche – in unseren Breiten sind diese Allergenquellen über das Bet v 1 sehr eng verwandt. Nach neueren Erkenntnissen können die betroffenen Allergiker auch mit einem reinen Birkenpollenextrakt zur Allergen-Immuntherapie (=“Hyposensibilisierung) langfristig wirsam behandelt werden.

Weitere Informationen über den DGAKI-Presse- u. Medienkontakt


Studien-Tabellen zur SIT-S2k-LL endlich aktualisiert

Samstag, 22. Dezember 2018

Kurz vor den Feiertagen war es soweit: die aktuellen Studien-Tabellen zur spezifischen Immuntherapie (SIT) sind wieder online verfügbar! Eigentlich zur halbjährlichen Aktualisierung vorgesehen gab es diesmal Verzögerungen. Grund waren fachliche Diskussionen um die Bewertung von klinischen Studien und ihre methodische Qualität.

Sämtliche berücksichtigten Studien wurden daher von einem Mitarbeiter der AWMF evaluiert und mit Evidenzgraden versehen. Diese sind jetzt zusammen mit ergänzenden Bemerkungen in den SIT-Tabellen (Baumpollen, Gräserpollen, Hausstaubmilben) ersichtlich. Damit ist der Weg zu mehr Transparenz bei der Studienbewertung geebnet.

Die kommende Leitlinie zur Allergen-Immuntherapie (AIT) wird auf S3-Evidenzniveau angehoben. Dann werden sämtliche AIT-Studien nach international üblichen und vordefinierten Kriterien bewertet. Das bedeutet einen entscheidenden Schritt nach vorn für die produktspezifische Bewertung von Präparaten zur AIT. Hier gilt Deutschland als Vorreiter und ist – besonders durch die Impulse der Abteilung Allergologie des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI)  –  weltweit führend auf dem Weg zu einer modernen, Evidenz-gestützten Allergen-Immuntherapie.

Aktuelle Informationen zur AIT finden Sie auch im neuen „Weißbuch Allergie in Deutschland“ (siehe unten):

Allergen-Immuntherapie-Kapitel im Weissbuch_Allergie_2018.pdf

22.12.2018, der Webmaster


Weißbuch Allergie 2018 – Aktuelle Bestandsaufnahme u. Gemeinsame Forderungen

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Rund 30 Millionen Menschen leiden in Deutschland an allergischen Erkrankungen – Tendenz steigend. Doch trotz der alarmierenden Zunahme dieser Volkskrankheit und ihrer gravierenden Auswirkungen auf die Betroffenen und unsere Volkswirtschaft ist die allergologische Versorgung hierzulande mangelhaft.

Die 4. Auflage des „Weißbuch Allergie in Deutschland“ versammelt unter dem Dach der Fachgesellschaften AeDA, DGAKI und GPA Experten der verschiedenen allergologischen Bereiche zu einer aktuellen Bestandsaufnahme.

Ziel ist es, Verantwortliche in gesundheitspolitischen Entscheidungsgremien wachzurütteln, um die Situation der Menschen mit allergischen Erkrankungen endlich entscheidend zu verbessern.

Konkrete Forderungen an Politik, Kostenträger im Gesundheitswesen, Wissenschaft und Medizin sind abschließend in einem Kapitel zusammengfasst und untermauern den dringenden Handlungsbedarf in vielen Feldern im Hinblick auf die Volkskrankheit „Allergie“.

Die Herausgeber: Thomas Werfel (DGAKI), Ludger Klimek (AeDA), Christian Vogelberg (GPA

Weißbuch Allergie in Deutschland: Springer Medizin Verlag GmbH, 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-89935-312-9, ISBN 978-3-89935-313-6 (eBook), Preis: 39,99 Euro

Aktuelle_Presse-Mitteilung_Weißbuch-Allergie_12-12-2018.docx

Aktuelle_Presse-Mitteilung_Weißbuch-Allergie_12-12-2018.pdf

Sind Sie Medien- oder Presservertreter? Dann bestellen Sie noch heute Ihr eigenes „Weißbuch Allergie in Deutschland“ in der DGAKI-Geschäftsstelle!


Wir gratulieren: DGAKI-Wissenschaftspreise für besondere Forschung

Dienstag, 30. Oktober 2018

Beim diesjährigen 13. Deutschen Allergiekongress in Dresden haben junge Forscher erneut Wissenschafts-Preise erhalten (Foto unten). Von den DGAKI Junior Members wurden diesmal
Samira Saleh, Rostock 2. von li., [Bestimmung des antigenspezifischen T-Zellprofils (direkt und ex-vivo) während der Einleitung einer Wespengift Immuntherapie durch Anreicherung antigenspezifischer T-Zellen],
Dr. Stefan Mühlenbein, Marburg 3. von li. [IgE-vermittelte Ko-Faktor-verstärkte Anaphylaxie auf Gerstenmalz] und
Dr. Valérie Trendelenburg, Berlin 3. von re. [Schwellenwert, Organbeteiligung und Schweregrad unter wiederholter Nahrungsmittelprovokation sind häufig nicht reproduzierbar] für ihre Arbeiten ausgezeichnet:

Foto: Preisträger unter den Junior Members (s.o.), re. flankiert von den Sprecherinnen der Junior Members, Michèle Myriam Rauber und Dr. Julia Elisabeth Pickert bzw. dem DGAKI-Präsidenten Prof. Dr. Thomas Werfel, li.

Weitere Wissenschaftspreise gingen an (im Foto unten mit Prof. Thomas Werfel von li. nach re.):
Dr. Matthias Reiger, Augsburg und
Jana Mehlich, München (jeweils Nachwuchsförderpreis, Siemens Healthcare Diagnostics GmbH, Eschborn)
PD Dr. Patrick M. Brunner, MSc, Wien (Förderpreis „Neue Immunologische Therapien atopischer/allergischer Erkrankungen“, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH),
Dr. Jose Oteros, München (Förderpreis „Spezifische Immuntherapie“, Allergopharma GmbH & Co. KG, Reinbek)
PD Dr. Daniel Piotr Potaczek, Marburg (Förderpreis „Neue Immunologische Therapien atopischer/allergischer Erkrankungen“, Sanofi-Aventis Deutschland GmbH)


Allergologie: Droht ein massiver Qualitätsverlust bei der Patientenversorgung?

Dienstag, 16. Oktober 2018

Vor einer drastisch sinkenden Qualität bei der Versorgung von Allergiepatienten warnen maßgebliche Allergieexperten. Hintergrund ist ein Beschluss zur Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO) für den Zusatztitel „Allergologie“. Dieser wurde im Mai 2018 beim 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt gefasst. Demnach soll die bisher für die Zusatzbezeichnung „Allergologie“ notwendige 18-monatige praktische Ausbildung unter Anleitung und Aufsicht komplett wegfallen. Allergologen befürchten deshalb in Deutschland zukünftig erhebliche Qualitätsverluste bei der Versorgung von Allergiepatienten.

Die ärztliche Weiterbildung zum Allergologen soll eine optimale Ausbildung für die Diagnose und Therapie von Allergiepatienten sicherstellen. Sie beinhaltet theoretisches Wissen als auch Praxiserfahrung unter Anleitung. Zukünftig soll es jedoch für HNO-, Haut-, Kinder- und Lungenärzte möglich sein, den Zusatztitel „Allergologe“ durch eine rein „berufsbegleitende Weiterbildung“ zu erlangen, d.h. ohne Praxiseinsatz bei erfahrenen ÄrztInnen. „Damit gibt es keine festgelegten Weiterbildungszeiten mehr. Es genügt, wenn der Ausbilder dem auszubildenden Allergologen eine Bescheinigung ausstellt, die die Erfüllung der inhaltlichen Auflagen bestätigt“ betont Prof. Dr. Thomas Werfel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI): „Konkret heißt das, die Ärzte können die Zusatzqualifikation quasi nebenbei im laufenden Betrieb parallel zu ihrer Tätigkeit in Klinik oder Praxis erwerben.“

„Wie man darauf kommt, dass 18 Monate Praxiserfahrung unter Anleitung plötzlich verzichtbar seien, kann niemand nachvollziehen. Schließlich gilt es auch schwer, z.T. lebensgefährlich Erkrankte oder kompliziert zu behandelnde, chronisch allergiekranke Menschen zu betreuen“, kritisiert Prof. Werfel. „Allergologie ist aufgrund der Bandbreite der Symptome und verwandten Diagnosen oft Detektivarbeit. Praxiserfahrung ist daher unerlässlich, um Symptome richtig deuten zu können und die richtige Behandlung einzuleiten“. Sollte der Beschluss des Ärztetages umgesetzt werden, können Patienten die Qualifikation von Ärzten mit dem Zusatztitel „Allergologie“ gar nicht einordnen. „Für sie wird es dann nicht möglich sein zu erkennen, ob ein Arzt mit dem Zusatztitel Allergologe wirklich erfahren im Umgang mit schwer Betroffenen und nach dem bisherigen oder nach dem neuen System ausgebildet wurde“ so Prof. Werfel.

Im Bereich Allergologie nimmt Deutschland bereits jetzt eine Sonderstellung ein. Während in 22 europäischen Ländern eine dreijährige Ausbildung zum Allergologen vorgesehen ist, gilt für Deutschland eine qualifizierte Zusatzausbildung von derzeit 18 Monaten als ausreichend. Einen Facharzt für Allergologie, zuletzt in Frankreich eingeführt und in den meisten europäischen Ländern Standard, gibt es in Deutschland nicht.

Angesichts des drohenden Qualitätsverlustes bei der Versorgung der Allergiepatienten sind Gegenmaßnahmen zur MWBO geplant. So wird die DGAKI zusammen mit den anderen Allergiegesellschaften und Patientenverbänden alle Kräfte bündeln, damit der Beschluss des Ärztetages in dieser Form nicht umgesetzt wird. „Der Zusatztitel Allergologie muss mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung gekoppelt – alles andere wäre Etikettenschwindel“, so Prof. Werfel.

Pressemitteilung der DGAKI, Berlin-Hannover Oktober 2018
Mehr zum Thema über die DGAKI-Geschäftsstelle, info@dgaki.de